Die Retrospektive des Unabhängigen FilmFest Osnabrück - Unabhängiges Filmfest Osnabrück
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Die Retrospektive des Unabhängigen FilmFest Osnabrück

Krieg und Protest – Eingreifende Filme im Zeitalter des Vietnamkriegs
 
Im Rahmen einer Retrospektive zeigt das Unabhängige FilmFest Osnabrück mit Unterstützung der taz Panter Stiftung und des Büros für Friedenskultur der Stadt Osnabrück eine Auswahl an Filmen, die während des Vietnamkriegs entstanden sind, in das Protestgeschehen eingriffen und es reflektierten. Zusammengestellt wurde das Programm von dem Historiker Dr. Alexander Sedlmaier, der ein Forschungsprojekt zur Geschichte von Krieg und Protest im 20. Jahrhundert verfolgt.
 
„Fern von Vietnam“ – Ein episodischer Langfilm
 
Unter Federführung des Autors und Filmemachers Chris Marker taten sich 1967 gut 150 Künstler, Intellektuelle und Arbeiter aus der Filmbranche zusammen, um mit einem gemeinsamen Filmprojekt gegen die US-amerikanische Kriegsbeteiligung in Vietnam zu protestieren. Beteiligt waren neben dem Sartre-Schüler Marker die Regisseurinnen und Regisseure Jean-Luc Godard, Alain Resnais, Claude Lelouch und Agnès Varda, der Modefotograf William Klein, die niederländische Dokumentarfilmlegende Joris Ivens und und Vertreterinnen aller Filmgewerke.
 
Der von Marker selbst kommentierte, vor dem Hintergrund des zeitgenössischen Protestgeschehens entstandene Essayfilm enthält dokumentarische Aufnahmen, teils kritisch montiert mit amerikanischen Werbefilmen, Spielszenen mit unter anderem Bernard Fresson, Interviews und einen reflektierenden Monolog von Jean-Luc Godard, dem die Einreise nach Nordvietnam verweigert worden war. Aus dem Titel „Fern von Vietnam“ spricht der Versuch, die Distanz zum Kriegsgeschehen zu überwinden und Solidarität aus der Ferne auszudrücken.
 
Chris Marker und die Cutter Jacqueline Meppiel und Jean Ravel verwoben die stilistisch breit gefächerten Beiträge zu einem klar strukturierten Netz konkurrierender Perspektiven, im Ergebnis ein bündiges Statement gegen die militärische Aggression der Vereinigten Staaten und aus heutiger Warte ein fesselndes Zeugnis des damaligen Protestgeschehens.
 
Der Vietnamkrieg aus deutsch-deutscher Perspektive – Die Kurzfilme
 
Nachdem die USA im Jahr 1964 unter einem Vorwand in den bereits lange anhaltenden Krieg zwischen Süd- und Nordvietnam eingetreten waren, erhöhte sich international die mediale Aufmerksamkeit. Berichte und Bilder von den Kriegshandlungen waren in den Sechzigern regelmäßiger Bestandteil der Fernsehnachrichten. Weltweit wurde gegen die teils völkerrechtswidrigen Kriegshandlungen der US-Amerikaner in Indochina protestiert – auch mit den Mitteln des Kinos. In der Bundesrepublik Deutschland gehörte der 2014 verstorbene Harun Farocki zur Generation zeitkritischer Filmemacher. Er ist in der Retrospektive mit „Ihre Zeitungen“ (1968), „White Christmas“ (1968) und „Nicht löschbares Feuer“ (1969) vertreten. In der DDR drehte Peter Ulbrich „In den Bergen Nordvietnams“ (1957) und „Denkt an mein Land“ (1966).
 
Ulbrich erlernte nach dem Abitur im Jahr 1951 beim ostdeutschen Filmstudio Deutsche Film AG (DEFA) das Handwerk von Grund auf, durchlief die Abteilungen Kamera, Schnitt, Beleuchtung und Regieassistenz. Im Alter von 23 Jahren besuchte Ulbrich im Jahr 1956 im Auftrag der DEFA erstmals Vietnam. Seine dortigen Erfahrungen führten zu einer Verbundenheit mit dem Land und der Gesellschaft, die sich in seinen Filmen widerspiegelt. „In den Bergen Nordvietnams“ stammt aus dem ersten, „Denkt an mein Land“ aus einem späteren Aufenthalt. Sein Wissen gab Ulbrich im Rahmen von Lehraufträgen an verschiedenen, über die ganze Welt verteilten Hochschulen an die jüngere Generation weiter. Er starb im vergangenen Jahr in seiner Wahlheimat Frankreich.
 
Harun Farocki betätigte sich als Filmemacher und trat als Filmkritiker, Medienkünstler, Theaterregisseur und Hochschullehrer hervor. Mit 24 Jahren gehörte er zu den Studierenden der Berliner Filmhochschule, die eine politischere Ausrichtung der Filmausbildung forderten. Farocki drehte preisgekrönte Essayfilme für das Fernsehen und wandte sich später der Medienkunst zu. Unter anderem war er auf der Documenta 12 vertreten.
 
Zu den zahlreichen Würdigungen seines Werks zählen der Adolf-Grimme-Preis 1995 für „Die Umschulung“ und, nach seinem Tod 2014, eine Sondererwähnung auf der Biennale di Venezia 2015. Wiederholt arbeitete Farocki in einem freundschaftlichen Mentorenverhältnis mit dem heute 58-jährigen Christian Petzold („Transit“) zusammen.
 
Wissenschaftliche Begleitung
 
Begleitet werden die Filmvorführungen durch den Historiker Dr. Alexander Sedlmaier, der an der Ruhr-Universität Bochum zur Geschichte von Krieg und Protest im 20. Jahrhundert forscht. Am Wochenende vor seinem Besuch in Osnabrück stellt der gebürtige Berliner sein neues Buch „Konsum und Gewalt“ auf der Frankfurter Buchmesse vor. Im Jahr 2000 an der Technischen Universität Berlin promoviert, ist er bereits seit 2003 als Hochschullehrer in Großbritannien tätig und publiziert zur deutschen, europäischen und US-amerikanischen Zeitgeschichte.
 
Das Programm des 33. Unabhängigen FilmFest Osnabrück: hier!
 
Link zur Pressemitteilung: hier!