Festivalreporter*innen: Review zu AMANDA

Amanda ist neurotisch, gelangweilt, aber vor allem eins: Einsam. In ihrer italienischen Heimatstadt streift sie tagtäglich planlos umher, während der Rest ihrer Familie in der Apotheke, dem langjährigen Familienbusiness, arbeitet. Ihre ältere Schwester hat bereits Kinder und Ehemann, ihre Mutter kritisiert konstant ihren ausgefallenen Kleidungs- und Lebensstil und ihre Haushälterin verbietet der Mutter, Zeit mit Amanda zu verbringen, damit diese endlich Freunde findet. Am besten versteht sie sich noch mit ihrer achtjährigen Cousine, die bereits zur Therapie geht. Das hätte Amanda vielleicht auch nötig, doch sie hat eigene Missionen, wie die 200 Treuepunkte im Supermarkt – nötig für den stehenden LED-Ventilator – zu sammeln, oder ihre Freundin aus Kindertagen, die seit Jahren nicht das Zimmer verlassen hat, zurückzugewinnen.

Wer eine kurzweilige Komödie erwartet, wird hier wohl eher enttäuscht. Doch Amandas Wünsche nach Zugehörigkeit, Selbstwertgefühl und Liebe bieten viele Identifikationspunkte für die Zuschauenden. Zudem begeistert der Film durch absurden Humor, ikonische Outfits und einen Soundtrack, der einem die Stimmung der italienischen Kleinstadt in den Kinosaal bringt. Zuweilen ist er etwas langatmig und verliert sich in kleinen Handlungssträngen, oft hat man das Gefühl, wie Amanda nur so dahin zu vegetieren, ohne einen Spannungsaufbau festzustellen. Doch dank des Schauspiels und des erfrischenden Stils wird es selten langweilig. Ich persönlich habe mich mehr als einmal gefragt, ob Amanda mir sehr unsympathisch oder sehr ähnlich ist.

 

Festivalreporterin Luise Friedrich