Lateinamerikanische Film-Highlights beim 31. Unabhängigen FilmFest Osnabrück

 

Das Unabhängige FilmFest Osnabrück präsentiert in seiner Sektion Vistas Latinas fünf gesellschaftlich engagierte Werke aus Lateinamerika, die sich auf unterschiedlichste Weise mit sozialkritischen Themen auseinandersetzen: So lädt das Festival zu filmischen Entdeckungsreisen nach Ecuardor („Alba“), Mexiko („Maquinaria Panamericana – Panamerica Co.“), („Tempestad – Der Sturm“), Argentinien („Camino a La Paz –  Der Weg nach La Paz“) und Chile („Nunca vas a estar solo – Du wirst nie alleine sein“) ein.

In eindrücklicher Bildsprache widmet sich Regisseur Ana Christina Barragán in ihrem Coming-of-Age-Film „Alba“ den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und fängt dabei hervorragend die Gefühlswelt eines zurückhaltenden 11-jährigen Mädchens und ihre bedächtige Annäherung an ihren Vater ein. In Regisseur Francisco Varones „Der Weg nach La Paz“ begeben sich zwei Männer, die an ganz verschiedenen Punkten ihres Lebens stehen, auf eine 2800km-Taxifahrt von Buenos Aires nach La Paz. Auf der langen, ereignisreichen Reise, mit dramatischen sowie unterhaltsamen Episoden, prallen zwei unterschiedliche Weltanschauungen und Lebenskonzepte aufeinander. Auf einer tragischen, wahren Geschichte basiert Regisseur Alex Anwandters Debütfilm „Du wirst nie alleine sein“, der die Vielfältigkeit des Chilenischen Kinos unterstreicht. Der Gewinnerfilm des Teddy-Jury-Awards der Berlinale 2016 erzählt aus der Perspektive eines homosexuellen Sohnes und seines besorgten Vaters die Geschichte einer erschreckenden Gewalttat und zeichnet dabei ein Bild der Hilflosigkeit in Anbetracht der Homophobie in Chile.

Mit dem bestürzenden Essayfilm „Der Sturm“ und der sozialkritischen Arbeitnehmer-Tragikomödie „Panamericana Co.“ laufen gleich zwei Filme aus Mexiko beim 31. Unabhängigen FilmFest Osnabrück. Während Friedensfilmpreisträgerin Tatinana Huezo („El lugar más pequeño“) in „Der Sturm“ das tragische Schicksal zweier Frauen aufrollt und dabei das systematische Korruptionssystem in Mexiko anprangert, widmet sich Regisseur Joaquín del Paso einer amüsant-skurrilen Geschichte um Solidarität am Arbeitsplatz. So erzählt „Panamericana Co.“ von der Gemeinschaft der Fabrikarbeiter, die sich nach dem Tod des verständnisvollen Firmeninhabers gegen betriebliche Veränderungen zur Wehr setzen.


31. Unabhängiges FilmFest Osnabrück:   19.Oktober – 23.Oktober

FilmFest-Sektion VISTAS LATINAS:

20. Oktober │ 17:30 Uhr, Lagerhalle
Alba

20. Oktober │ 20:00 , Filmtheater Hasetor
Maquinaria Panamericana – Panamerica Co.

21. Oktober │ 20:00 , Haus der Jugend
Nunca vas a estar solo – Du wirst nie alleine sein

22. Oktober │ 17:30 Uhr, Filmtheater Hasetor
Camino a La Paz – Der Weg nach La Paz

23. Oktober │ 13:00 Uhr, Filmtheater Hasetor
Tempestad – Der Sturm

Vistas Latinas Filme2016

Zu den einzelnen Filmen der VISTAS LATINAS-Sektion:

Donnerstag, 20. Oktober | 17:30 Uhr, Lagerhalle
Alba

Eine schwierige Kindheit mit glücklichem Ende? Alba ist ein 11-jähriges, ruhiges Mädchen. Sie hat nicht viele Freunde und spielt meist allein. Als Albas Mutter erkrankt, kümmert sie sich rührend um diese, bis sie ins Krankenhaus gebracht werden muss. Nun soll die Elfjährige bei ihrem Vater leben, den sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Alba fühlt sich fremd und schämt sich für ihren Vater sowie die Gemeinsamkeiten, die sie mit ihm teilt. Eine Annäherung findet nur schwer statt und steht im Konflikt mit ihrer Aufnahme in eine Mädchenclique.
Berührend erzählt Ana Cristina Barragán in ihrem Debüt-Spielfilm von der Annährung zwischen Vater und Tochter und der Gefühlswelt eines zurückhaltenden Mädchens – inmitten von Pubertät, erstem Kuss und der Suche nach Freundschaft. Dabei beeindruckt vor allem auch die Darstellung Albas durch Jungschauspielerin Macarena Arias.

Ecuador, Mexiko, Griechenland 2016, DCP, 98 Min.
spanische Originalfassung mit englischen Untertiteln

Regie & Buch Ana Cristina Barragán | Kamera Simón Brauer | Schnitt Yibran Asuad, Juan Daniel Molero, Ana Cristina Barragán, José María Avilés | Darsteller Macarena Arias, Pablo Aguirre Andrade, Amaia Merino
Produktion Caleidoscopio Cinecinando.com  alba-pelicula.com

Donnerstag, 20. Oktober | 20 Uhr, Filmtheater Hasetor
Maquinaria Panamericana – Panamerica Co.

Das Ende einer Unternehmensphilosophie: Jeden Morgen richtet Fabrikinhaber Don Alejandro ermutigende Worte an die Belegschaft seiner Firma MAPSA, in der eine sehr kollegiale Atmosphäre herrscht. Hier hat der verständnisvolle Chef noch das Beste für seine Angestellten im Sinn und schert sich wenig um Kostenreduzierungspotentiale und Optimierungsprozesse. Doch als der allseits beliebte Don Alejandro plötzlich verstirbt, muss seine Familie feststellen, dass die Firma seit Jahren schon nicht mehr profitabel wirtschaftet und hochverschuldet ist. Die verzweifelte Belegschaft verbarrikadiert sich daraufhin im Firmengebäude, um die befürchteten Veränderungen abzuwenden.
Regisseur Joaquín del Paso beschäftigt sich in seiner melancholischen Tragikomödie mit dem Aussterben der verantwortlichen Arbeitgeber, denen ihre Mitarbeiter wichtiger sind als die reinen Zahlen. Mit Laiendarstellern inszeniert, die wirklich in dieser, mittlerweile geschlossenen, Fabrik in der Nähe des Flughafens von Mexiko City tätig waren, erzählt der Regisseur eine amüsante und teils skurrile Geschichte um Solidarität am Arbeitsplatz und die Gemeinschaft der Fabrikarbeiter.

Mexiko/Polen 2016, DCP, 88 Min.
spanische Originalfassung mit englischen Untertiteln

Regie Joaquín del Paso | Buch Joaquín del Paso, Lucy Pawlak | Kamera Fredrik Olsson | Schnitt Raúl Barreras | Musik Christian Paris | Darsteller Javier Zaragoza, Ramiro Orozco, Irene Ramirez, Edmundo Mosqueira, Delfino López, Cecilia García, Cesar Panini, Javier Camacho, Israel Ruiz, Regina DuPacci
Produktion Amondo Films, Black Maria, Mantarraya Producciones, Terminal | Distribution Luxbox, luxboxfilms.com

Freitag, 21. Oktober | 20 Uhr, Haus der Jugend
Nunca vas a estar solo – Du wirst nie alleine sein

Hilflosigkeit in Anbetracht von Homophobie: Juan arbeitet für eine Schaufensterpuppen-Fabrik und ist alleinerziehender Vater des Teenagers Pablo. Obwohl die beiden gut miteinander auskommen, leben sie letztlich nur nebeneinanderher, zumal Juan äußerst hart arbeitet, um endlich Teilhaber in seiner Firma zu werden. Tanzstudent Pablo entflieht dem grauen Alltag, indem er nachts mit seiner besten Freundin durch die Clubs der Stadt zieht.
Die Ermordung eines 18-jährigen Homosexuellen in Santiago de Chile veranlasste den Musiker Alex Anwandter dazu, das Drehbuch zu seinem ersten Spielfilm zu verfassen. Ist die erste Hälfte des Dramas noch aus der Sicht des Sohnes erzählt, wechselt der Film nach einem brutalen Angriff auf den Jungen in die Perspektive des tief besorgten Vaters. Juan bemerkt nun erst, wie fremd ihm Pablo in den letzten Jahren geworden ist und realisiert, dass ihm niemand bei der Überführung der Täter beisteht. Der Gewinnerfilm des Teddy-Jury-Preises der Berlinale 2016 ist ein feinfühlig erzähltes, vielversprechendes Debüt und ein weiterer Beweis für die Vielfältigkeit des chilenischen Kinos.

Chile 2016, BluRay, 82 Min.
spanische Originalfassung mit englischen Untertiteln

Regie & Buch Alex Anwandter | Kamera Matías Illanes | Schnitt Felipe Gálvez| Musik Alex Anwandter | Darsteller Sergio Hernández, Andrew Bargsted, Jaime Leiva, Edgardo Bruna, Gabriela Hernández, Astrid Roldán
Produktion Araucaria Cine, 5AM Producciones
Distribution Epicentre Films, epicentrefilms.com

Samstag, 22. Oktober | 17.30 Uhr , Filmtheater Hasetor
Camino a La Paz – Der Weg nach La Paz

Eine außergewöhnliche Reise zum inneren Frieden: Zwei Männer, die an ganz verschiedenen Punkten ihres Lebens stehen, begeben sich auf eine 2800 Kilometer Fahrt durch Südamerika.Der arbeitslose Musiker Sebastian hat mit seiner Frau Jazmin gerade eine gemeinsame Wohnung in Buenos Aires bezogen. Auf der neuen Telefonnummer des unter Geldsorgen leidenden Paares rufen beständig Taxikunden an, so dass Sebastian kurzerhand beschließt, den Kundenwünschen nachzukommen und dafür den alten Peugeot 505 seines Vaters zum Taxi umzufunktionieren. Dann bietet der strenggläubige Muslim Jalil eine stolze Summe für eine Fahrt nach La Paz, die er offenbar minutiös geplant hat. Zweifelnd stimmt Sebastian zu, ohne zu ahnen, welche nervliche Zerreißprobe auf ihn zukommt. Regisseur Francisco Varone entführt auf eine von den rockigen Blues-Klängen der, bereits seit 50 Jahren bestehenden, argentinischen Band Vox untermalte Reise, mit humorvoll-unterhaltsamen sowie dramatischen Episoden, auf der zwei unterschiedliche Weltanschauungen und Lebenskonzepte zusammenprallen.

Argentinien/Deutschland/Holland 2015, DCP, 94 Min.
spanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Regie & Buch Francisco Varone | Kamera Christian Cottet | Schnitt Alberto Ponce, Federico Peretti | Musik Vox Dei | Darsteller Rodrigo de la Serna, Ernesto Suárez, Elisa Carricajo, María Canale, Alicia Plames, Juan Alari, Mercedes Lía Hernández
Produktion Gma Films, No Problem Cine, Concreto Films, Habbekrats, HANFGARN & UFER

Sonntag, 23. Oktober | 13 Uhr, Filmtheater Hasetor
Tempestad – Der Sturm

Das Martyrium der unschuldig Verurteilten: Der Essayfilm „Tempestad“ behandelt zwei bewegende Schicksale in Mexiko. Die betroffenen Frauen erzählen ihre tragischen Lebensgeschichten in eigenen Worten, während Bilder einer Busreise von Matamoros an der Grenze zu Texas bis ins südliche Cancún den Alltag und die Landschaften des mittelamerikanischen Landes spiegeln. Eine der beiden Mütter, die durch das systematische Korruptionssystem in Mexiko von ihren Kindern getrennt wurden, tritt in „Tempestad“ dabei nie selbst vor die Kamera, bleibt vielmehr eine bestürzende, anklagende Stimme, welche von unermesslicher Ungerechtigkeit und Willkür des mexikanischen Staates berichten. Durch die meditative Bildauswahl eröffnet Regisseurin und Friedensfilmpreisgewinnerin Tatiana Huezos („The Tiniest Place“) Essayfilm dabei den Raum, um die bestürzenden Worte zu verarbeiten. Ohne rechtliche Grundlage der Freiheit beraubt, musste die junge Frau jahrelang in einem Privatgefängnis ausharren, das unter der Kontrolle der wahren Verbrecher – eines Kartells – stand.

Mexiko 2016, DCP, 105 Min.
spanische Originalfassung mit englischen Untertiteln

Regie & Buch Tatiana Huezo | Kamera Ernesto Pardo | Schnitt Lucrecia Gutiérrez-Maupomé, Tatiana Huezo | Musik Leonardo Heiblum, Jacobo Lieberman |
Produktion Pimienta Films, Cactus Films, Terminal
Distribution Cinephil