
Das sind die Themen des 41. Filmfest
In weniger als 3 Wochen vom 6.-11. Oktober ist wieder Filmfest!
Hier geben wir euch einen Einblick in die diesjährigen Themenschwerpunkte. Fünf Filme erzählen von Solidarität, die sich in zivilem Widerstand bis hin zu freundschaftlicher Loyalität ausdrückt. In vier Spiel- und Dokumentarfilme kämpfen die Protagonist*innen darum in ihrer Machtlosigkeit gesehen zu werden, während das Queere Kino drei verschiedenen Perspektiven eine Bühne bietet. Ein Stadion, ein Kibbuz oder ein Kraftwerk – hier spielen Orte die Hauptrolle und zeugen von Rassismus, Kriegen und Schicksalsschlägen. Der Zukunft entgegen richten sich fünf Langfilme in denen die Akteure trotz Rückschlägen und großer Verantwortung sich stets ihre Hoffnung bewahren. Und in vier Spielfilmen dreht sich alles um Musik.
Solidarität

Fünf Filme erzählen von Solidarität und Loyalität: Eine tiefe Verbundenheit fühlt Maia mit der indigenen Sápmi, die gleichzeitig die Lebensgrundlage ihrer Rentierherde und damit auch ihrer Familie ist. Als ein staatliches Brauprojekt ihre Existenz bedroht, kehrt Onkel Lemme zurück und mit ihm familiäre Traumata, die lange weggeschoben und verschwiegen wurden. Dadurch gerät Maia in einen tiefen Konflikt. „Árru“ (Regie: Elle Sofe Sara) scheut nicht die Komplexität familiärer Abhängigkeiten und findet dazu eine klare Haltung.
Um ihren Lohn geprellt, sagen in „Driving Europe“ (Regie: Felix Länge) osteuropäische Lkw-Fahrer erstmals Nein zu einem System aus Subunternehmern und falschen Versprechen. Auch „Everybody to Kenmure Street“ (Regie: Felipe Bustos Sierra) zeigt die Macht des zivilen Protestes: Als zwei Männer in Glasgow abgeschoben werden sollen, steht eine ganze Nachbarschaft zusammen.
Einer viel privateren Loyalität sieht sich Maestra in „Sad Girlz“ (Regie: Fernanda Tovar) verpflichtet: Nach einer Party ist ihre Freundin Paula verändert, gemeinsam ordnen sie ein, was ihr passiert ist. Als Paula Maestra bittet zu Schweigen, steht sie allein vor einer großen Entscheidung. Gemeinsam hingegen erkunden zwei Freunde in „Tony, Shelly und das magische Licht“ (Ferienkino, Regie: Filip Pošivač) ein dunkles Hausgeheimnis und was Freundschaft bedeutet.

Machtlosigkeit

Während Gemeinschaft und Solidarität viel Kraft verleihen können, sehen sich Majd und Shahfaisal als unbegleitete, minderjährige Geflüchtete, allein dem deutschen Asylsystem ausgeliefert. Marvin Menné dokumentiert in „Wohin mit mir?“ die Machtlosigkeit gegenüber den Anforderungen der Familie und der deutschen Bürokratie. Auch Julio steht einer unausweichlichen Veränderung bevor: Bald muss er das Waisenhaus verlassen. Die Begegnung mit der jungen Azucena, verspricht weniger Einsamkeit und Halt, doch ihre Absichten sind für Julio uneindeutig. („Hiedra“, Regie: Ana Cristina Barragán)
In einem Gerichtssaal mit Blick auf einen Fjord wird das Schicksal einer Familie verhandelt. Erst sanft, dann mit dem Druck der Medien, ringen die Eltern darum, ihre Kinder zurückzubekommen. Der Gewinnerfilm der Goldenen Palme in Cannes „Fjord“ (Regie: Cristian Mungiu) analysiert in kühlen, blauen Bildern die Toleranzfähigkeit der Gemeinde, die sich fragen muss, was noch akzeptable Erziehungsmethode ist und wo Kindeswohlgefährdung beginnt.
In „Renovation“ (Regie: Gabrielé Urbonaité) gerät Ilonas geordnetes Leben ins Wanken, doch zwischen Baustellenlärm, Staub und Einsamkeit wächst der Mut zur Veränderung.

Queeres Kino

Zwischen patriarchalen Strukturen, gesellschaftlicher Ausgrenzung und der Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben eröffnet die Begegnung mit der schillernden Transfrau „Fantasy“ neue Möglichkeitsräume. Kukla erzählt von Identität, Begehren und dem Mut zur Veränderung mit großer Nähe zu ihren Figuren und einem feinen Gespür für ihre Widersprüche.
„Barbara Forever“ (Regie: Byrdie O’Connor) ist ein dokumentarisches Porträt der lesbischen Filmpionierin Barbara Hammer. Barbara möchte sich selbst queere Repräsentation schaffen, unsichtbare Grenzen überschreiten und ihren Platz in der Kunstwelt behaupten. Aus ihrem eigenen Archiv erzählt der Film von Körper, Liebe und Sichtbarkeit entlang Hammers Filmen.
2.164 Kilometer – so weit weg ziehen Ísis und Lourenzo, um eine sichere trans* Schwangerschaft leben zu können. „Apolo“ (Regie: Tainá Müller & Ísis Broken) zeigt in einem intimen Selbstporträt, wie uns Elternschaft formt und fragt, wie sich scheinbar zementierte Lebensweisen neugestalten lassen. Home-Movie-Aufnahmen, dokumentarische Elemente und Musikvideos begleiten ihre Schwangerschaft bis zur Geburt und verweben sich zu einem liebevollen Brief an das ungeborene Kind.

Orte

Tragödien, Kriege, struktureller Rassismus und politische Umschwünge hinterlassen tiefe Spuren, sowohl in der Gesellschaft als auch im Privaten. Fünf Filme zeigen anhand von einem Ort Widersprüche, Verlust und Verantwortung.

Im Donbass: Nahe der Front halten Arbeiter*innen ein Kraftwerk unter Beschuss am Laufen – bis zur Evakuierung. „The Last Prometheus of Donbas“ (Regie: Anton Shtuka) erzählt von Menschen, die unter Beschuss ein Stück Normalität bewahren. Ungefähr 2.000 Kilometer südlich dokumentiert Anat Even ihre einstige Heimat Nir Oz. Ihre Gefühle der Ohnmacht treffen auf die Sicht eines Freundes, dessen Haltung sich zunehmend von ihrer eigenen entfernt. „Collapse“ stellt die Erfahrung israelischer Betroffener nicht isoliert dar, sondern verbindet sie mit Fragen nach Verantwortung, Macht und der fortdauernden Gewalt in Gaza.
Mittels präziser Montage zeigt Jonas Spriestersbach in „Meanwhile in Namibia“ wie koloniale Denk- und Machtstrukturen im heutigen Namibia fortbestehen und wie sie vor allem in paternalistischer Entwicklungszusammenarbeit den Alltag von Namibier*innen prägen.
Laute Schüsse. Befehle und Anweisungen hallen durch die Straßen der Übungsstadt Schnöggersburg. Hier trainiert die Bundeswehr den Ernstfall. Marie Wilke beobachtet einen Ort zwischen Simulation und Wirklichkeit: „Szenario“. Während sich „Heysel 85“ (Regie: Teodora Ana Mihai) der Aufarbeitung um die Katastrophe des Heysel-Stadions widmet und die Frage stellt, was es heißt es, sich für Anpfiff oder Absage zu entscheiden.

Musik

Ende der 1950er kehrt ein junger Mann mit Rock’n’Roll nach Paraguay zurück und will die Musik gegen alle Widerstände unter die Menschen bringen. Doch gegen diesen Beat setzt das Regime einen härteren Puls: Tugend, Anstand, Tradition, eine kollektive Angst. Nach seiner letzten Sendung wird Narciso tot aufgefunden – „¿Quién mató a Narciso?“ (Regie: Marcelo Matinessi).
Freiheit sucht auch Khutala in der Musik. 1968 unter dem Apartheidregime in Südafrika wird Jazz für ihn zwischen familiärer Verantwortung und ständiger Bedrohung zum einzigen Ausweg. („Laundry”, Regie: Zamo Mkhwanazi).
In „The Magic City – Birmingham According to Sun Ra“ (Regie: Guillaume Maupin & Pablo Guarise) vereint die Liebe zum Jazz die Stadt Birmingham, Alabama mit der kosmischen Geschichte des Musikers Sun Ra in einem verspielten Portrait. Und zwischen Weihnachtsblues und Einsamkeit trotz der alternde Musiker Al Cook in Wien der Veränderung. Der Eröffnungsfilm „Wiener Blues – The Loneliest Man in Town“ (Regie Tizza Covi und Rainer Frimmel) zeigt ein Porträt über Musik, Verlust und Neuanfang.

Der Zukunft entgegen

Hoffnungsvoll der Zukunft entgegen blicken die Protagonist*innen der folgenden fünf Spiel- und Dokumentarfilme. Jugendliche in Kaduna (Nigeria) greifen zur Kamera und drehen Sci-Fi. Gegen religiösen Widerstand erträumen sie sich filmisch eine eigene Zukunft.

Regiesseurin Pietra Brettkelly verwebt gemeinsam mit dem Kollektiv The Critics in „Crocodile“ dokumentarische Beobachtung und fiktive Visionen meisterhaft zu einem einzigen Bild.
Fünf Jahre filmt Soraya mit dem Handy ihren Alltag und ihre Fluchtversuche im Iran. Aus Ton, Zeichnung und Animation erschafft sie sich Hoffnung und ihre eigene Zukunft. („A Fox Under a Pink Moon“, Regie: Mehrdad Oskouei & Soraya Akhlaghi)
Strikte Religion, Alkoholismus und Perspektivlosigkeit sind überall unverkennbar zu sehen. Unterkriegen lassen sich die Mädchen im brasilianischen Sertão davon aber nicht. Sie erträumen sich stattdessen eine bessere Zukunft und zeigen uns, wie es einmal wird, wenn sie erstmal erfolgreiche Astronautinnen und Ärztinnen sind. („The Fabulous Time Maschine“, Regie: Eliza Capai)
Die 14-jährige Fanta balanciert zwischen kranker Mutter, Verantwortung für die jüngeren Geschwister, Schule und der einmaligen Chance mit ihrer Akrobatikgruppe auf Tour zu gehen. „Fantastique“ (Regie: Marjolijn Prins) ein magisch-realistisches Erwachsenwerden in Guinea-Conakry.
In „Isabel“ (Regie: Gabe Klinger) sucht eine Sommelière in São Paulo mit der Eröffnung einer eigenen Naturweinbar ihre Erfüllung. Die Vorbereitungen laufen bereits, als ihr Investor abspringt und ihr Traum zu zerbrechen droht. Plötzlich ganz auf sich gestellt, muss Bel herausfinden, wohin ihr Weg sie führen wird.

