Die zweite Festivalhälfte: Programmtipps & Highlights

Drei Tage Filmfest liegen bereits hinter uns und wir sind überwältigt von vollen Sälen, spannenden Gesprächen und der inspirierenden Festivalstimmung. 

Noch drei Tage voller Kinoerlebnisse, Diskussionen und Begegnungen liegen vor uns. Zahlreiche Filme in verschiedenen Sektionen und Wettbewerben warten darauf, von euch gesehen und diskutiert zu werden.  

Dieser Newsletter gibt euch einen Überblick über den heutigen und die kommenden zwei Festivaltage mit Veranstaltungstipps und Gäst*innen in den Filmvorstellungen. 

Das gesamte Programm findet ihr hier: Programm 2026 – Filmfest Osnabrück

 

Stadtführung: The Queer History of Osnabrück 

Wer Osnabrück mal aus einer anderen Perspektive kennenlernen möchte, kann dies am Freitag um 15 Uhr tun. Mit Lars Innenhof könnt ihr den frühesten Spuren queeren Lebens bis zu den Orten, die für die lokale LGBTQIA+-Geschichte von Bedeutung sind, folgen. Es wird um Ausgrenzung, Initiativen und Sichtbarkeit in Osnabrück gehen. Treffpunkt: Rathaus Osnabrück (Markt 30) 

 

A Fox Under a Pink Moon

Filmisch geht es danach am Freitag um 17.30 Uhr im Filmtheater Hasetor mit „A Fox Under a Pink Moon“ aus der Sektion Frieden weiter. Ausgangspunkt des Filmes ist das über mehrere Jahre entstandene Smartphone-Material der afghanischen Künstlerin Soraya Akhlaghi, die ihr eigenes Leben, ihre Flucht aus dem Iran und ihre Sehnsucht nach ihrer in Österreich lebenden Mutter dokumentierte. Aus diesen Aufnahmen entwickelte Regisseur Mehrdad Oskouei gemeinsam mit Akhlaghi ein persönliches filmisches Selbstporträt. Handyvideos treffen auf Nachrichtenbilder, Zeichnungen, Skulpturen und Animationen. Dabei kehren Motive aus Akhlaghis Kunst immer wieder und geben der dokumentarischen Geschichte eine märchenhafte und zugleich dunkle Ebene. Im Anschluss zu Gast: Dr. Johanna Ullmann und Rawnak Dak Elbab, Expertinnen des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien der Universität Osnabrück. 

„A Fox under a Pink Moon“, Regie: Mehrdad Oskouei, Soraya Akhlaghi, 2025, © CATS&Docs

 

 Szenario 

Freitagabend zeigt das Filmfest um 20.00 Uhr in der Lagerhalle „Szenario“ von Marie Wilke. Der Film ist Teil unserer Friedenssektion. Im Mittelpunkt steht die eigens errichtete Übungsstadt Schnöggersburg in Sachsen-Anhalt, in der die Bundeswehr Einsätze unter realitätsnahen Bedingungen trainiert. Militärische Übungen, Rollenspiele, Besucherführungen und Vereidigungen. Sie zeigt Routinen ebenso wie Momente der Inszenierung und macht sichtbar, wie ein künstlicher Ort für den Ernstfall geschaffen wird. Zwischen Simulation und Wirklichkeit überlässt „Szenario“ seinen Bildern das Wort und eröffnet Raum für Perspektiven auf Sicherheit, Verantwortung und Militär heute. Im Anschluss zu Gast: Philipp Schulz, Experte des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik und Dr. Franz Gerrit Schulte, ehemaliger Redakteur und Diakon im Bistum Osnabrück, seit 2024 Mitglied im Regionalvorstand von Pax Christi in den Bistümern Osnabrück und Hamburg.  

„Szenario“, Regie: Marie Wilke, 2026, © Ma.ja.de. Filmproduktions GmbH, Salzgeber

 

Hiedra 

Ebenfalls am Freitag zeigt das Filmfest um 17.30 Uhr im Haus der Jugend „Hiedra“ aus der Sektion Vistas Latinas. Im Zentrum steht Azucena, eine Frau in ihren Dreißigern, die eine besondere Beziehung zu einem Jugendlichen namens Julio entwickelt. Was zunächst wie ein Familiendrama erscheint, wird zunehmend schwerer einzuordnen. Regisseurin Ana Cristina Barragán erzählt stark über Bilder und Körper: Blicke, Bewegungen und Berührungen erhalten eine Bedeutung, die über das Gesagte hinausgeht. Die Kamera rückt den Figuren sehr nah, bleibt dicht an Gesichtern und Händen und arbeitet mit einem ausgeprägten Spiel mit Nähe.

„Hiedra“, Regie: Ana Cristina Barragán, 2025, © Bendita Film Sales

 

Kurzfilmprogramm IN DIE TIEFE 

Am Freitag zeigt das Filmfest um 22.15 Uhr in der Lagerhalle das Kurzfilmprogramm „IN DIE TIEFE “. Es führt euch in die Tiefen von Figuren, zu Erfahrungen, die sich nicht leicht in Worte fassen lassen, zu Traum, Verlust und Identität, aber auch von Nähe, Versöhnung und der Frage, wie wir nach schmerzhaften Erfahrungen wieder zueinanderfinden können. Als Gast dürfen wir im Rahmen des Programms Yan Lin begrüßen, Protagonist des Filmes „The Wind in Ash“, in dem eine junge Fotografiestudentin in ihr Heimatdorf zurückkehrt, um ihren Vater zu beerdigen. Allerdings wird schnell ihre Identität zum Konfliktthema und ihr wird mit Vorurteilen und Antipathie begegnet. Doch dann macht ihre Mutter ihr eine unerwartet versöhnende Geste. 

„The Wind in Ash“, Regie: Kun Sun, 2025, © Lights On

 

Collapse 

Am Samstagnachmittag um 15 Uhr zeigt das Filmfest „Collapse“ aus der Friedenssektion im Haus der Jugend. Darin kehrt Regisseurin Anat Even kurz nach den Ereignissen am 7. Oktober 2023 in den Kibbuz Nir Oz, ihre einstige Heimat, zurück. Entlang der israelischen Seite der Grenze zu Gaza dokumentiert sie mit ihrer Kamera verlassene Häuser und Straßen, die heute von Militärfahrzeugen und Bulldozern umgewälzt werden. Über die beobachtenden Bilder legt sich Evens persönliche Stimme: Ihre Gefühle der Ohnmacht treffen auf den Dialog eines Freundes, dessen Haltung sich zunehmend von ihrer eigenen entfernt. Der Film stellt die Erfahrung israelischer Betroffener nicht isoliert dar, sondern verbindet sie mit Fragen nach Verantwortung, Macht und der fortdauernden Gewalt in Gaza. Im Anschluss zu Gast: Regisseurin Anat Even. 

„Collapse“, Regie: Anat Even, 2026, © Caractères Productions

 

The Magic City: Birmingham According to Sun Ra

Am Samstagabend wird es um 22.15 Uhr in der Lagerhalle musikalisch, mit „The Magic City: Birmingham According to Sun Ra“. Der Dokumentarfilm führt nach Birmingham, Alabama, und auf die Spuren des Jazzmusikers Sun Ra, der hier als Herman Poole Blount geboren wurde. Seine Musik und die Geschichte der Stadt sind dabei eng miteinander verbunden. Bilder von Segregation und Gewalt treffen auf Orte, an denen Sun Ra gelebt und gearbeitet hat, und machen sichtbar, wie sehr die Vergangenheit Birminghams bis heute präsent ist. Gemeinsam mit Verwandten, Anwohnenden und Fans erkundet der Film die Stadt und nähert sich Sun Ra über Musik, Erinnerungen und persönliche Geschichten. Im Anschluss zu Gast: die Regisseure Guillaume Maupin und Pablo Guarise. 

„The Magic City – Birmingham According to Sun Ra“, Regie: Guillaume Maupin, Pablo Guarise, 2025, © CBA

 

Tickets

Alle Informationen zu den Tickets gibt es unter: Tickets – Filmfest Osnabrück

 

Fotos

Das Filmfest wird von Angela von Brill fotografisch begleitet. Auf unserem Festivalblog unter https://filmfest-osnabrueck.de/closeup-2026-2/  könnt ihr die Fotos vom jeweiligen Vortag und viele weitere Infos rund um die Filme des Programms finden.