
“Nachtschwärmer” – Licht, das alles verändert.
Am Tag atmet der Wald Ruhe.
In der Tiefe der Höhle, vor der Sonne verborgen, schlafen Fledermäuse – Nachttiere, für die der Tag nur eine Pause zwischen zwei langen Flügen ist. Draußen aber, im grünen Dämmerlicht des Laubes, pulsiert ein eigenes, stilles Leben: Eine Fliege sorgt für ihre drei Larven, ein Glühwürmchen döst im Gras, und eine Motte, die sich von Nektar ernährt, kreist über den Blüten wie ein kleiner, lebendiger Funke.
Doch da weicht der Tag der Nacht – und eine Laterne leuchtet auf.
Dieses von Menschenhand geschaffene Licht, hell und fremd, weckt die Larven der Fliege. Sie erschrecken, und die Mutter fliegt zur Laterne – nicht, um Wärme zu suchen, sondern um die Störung zu beenden. Das Glühwürmchen, stolz auf sein grünes Flimmern, versucht, nicht mit der Laterne zu wetteifern: Sein stilles Leuchten verliert sich neben dem elektrischen Glanz. Und die Motte wird von diesem magischen Licht angezogen wie von einem Lied, dem man nicht widerstehen kann.
Und dann erwachen die Fledermäuse.
Für sie ist die Nacht die Zeit der Jagd. Sie fliegen aus der Höhle, kreisen um die Laterne und fangen diejenigen, die das Licht anlockt. Die Beute bringen sie ihrem Jungtier. Danach schlafen sie ein und versuchen, den Fang zu verdauen.
Doch das kleine Fledermausjunge isst nicht.
Es sieht die Fliege, das Glühwürmchen, die Motte an, und bringt es nicht über sich. Stattdessen rettet es sie aus den Mäulern der Eltern, eines nach dem anderen, und lässt sie frei. Und erschöpft schläft es selbst ein.
Der Tag bricht an. Die Insekten verlassen die Höhle und kehren zu ihren Aufgaben zurück; ihren Retter lassen sie zurück. Doch das Fledermausjunge erwacht und folgt ihnen – es will am Leben seiner neuen Freunde teilhaben, will in ihrer Nähe sein.
Und als die Nacht zurückkehrt und die Laterne wieder aufleuchtet, werden seine Freunde erneut von diesem Licht angezogen. Und ohne an die Gefahr zu denken, versucht das Fledermausjunge mit aller Kraft, sie zu retten – und wird verletzt.
Da versammeln sich die Fliege, das Glühwürmchen und die Motte. Sie sind nicht länger nur Beute und Jäger. Sie sind Freunde. Und sie kommen dem kleinen Fledermausjungen zu Hilfe, das sie einst gerettet hat.
So wirft die Regisseurin Lena von Döhren in diesem animierten Kurzfilm wichtige Fragen zum Einfluss des Menschen auf die Umwelt auf. In spielerischer Form zeigt sie die Problematik ethischer Entscheidungen und erzählt eine Geschichte über Güte, die immer zurückkehrt, darüber, dass selbst im Wald Platz für Wunder und gegenseitige Hilfe ist.
“Nachtschwärmer” ist Teil der UFOlinos, dem Kinderprogramm ab 4 Jahren, das am Festivalsonntag ab 11:00 Uhr in der Lagerhalle gespielt wird.
Text: Anna Tukova

