Die Sektion „FilmFest Specials“ auf dem 33. Unabhängigen FilmFest Osnabrück - Unabhängiges Filmfest Osnabrück
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Die Sektion „FilmFest Specials“ auf dem 33. Unabhängigen FilmFest Osnabrück

  • In der Sektion „FilmFest Specials“ präsentiert das Unabhängige FilmFest vier Filme außer Konkurrenz.
  • Regisseure sind die Jurymitglieder Andreas Köhler, Florian Weigensamer und Ma’an Mouslli sowie der Preisträger der diesjährigen Goldenen Palme, Hirokazu Kore-Eda.

 
Von Familienbanden und mühevollem Broterwerb
 
„Welcome to Sodom“ ist ein Musiktitel des Rappers Musa Abukari alias D-Boy. Er lebt auf einer Müllhalde in der ghanaischen Metropole Accra. Dort, in einem ehemaligen Sumpfgebiet, häuft sich aus Europa stammender Elektroschrott. Bildschirme, Mobiltelefone, Computer werden dort abgeladen und ausgeschlachtet, die Reste verwertet. Mit simpelsten Mitteln. Meterhohe Flammen trennen nützliche Rohstoffe von wertlosen Resten. Apokalyptische Bilder. Die Menschen hier tragen weder Schutzkleidung noch Atemmasken. Sie atmen giftige Luft, arbeiten auf verseuchtem Boden. Und führen ihr Leben, genießen kleine Freuden. Singen, rappen, tanzen.
Die Regisseure sind das diesjährige Jurymitglied Florian Weigensamer und Christian Krönes.
 
Traditionell wird der Zusammenhalt in der Familie Shaash großgeschrieben. Die Flucht vor dem Krieg in Somalia aber hat die Mitglieder in aller Welt verstreut. Sie ist zu einer „Global Family“ geworden. Yasmin erzählt ihren Kindern von ihrer Vergangenheit. Der Vater, Captain Shaash, sei als Fußballnationalspieler umjubelt worden und hatte eine glorreiche Zukunft vor sich. Die Heranwachsenden sind zu jung, um verstehen zu können, was der Krieg und seine Folgen für die Familie bedeuten. Onkel Aden befindet sich in Italien auf der Suche nach einer Wohnung und einem Arbeitsplatz. Auch in Kanada wohnen Mitglieder der Familie. Die Großmutter lebt in Äthiopien, geht auf die Neunzig zu, und die Familie möchte sie zu sich nehmen. Doch die Hürden sind hoch. „Global Family“ ist ein Dokumentarfilm von Melanie Andernach und Andreas Köhler. Der renommierte Kameramann Andreas Köhler blieb nah an den Protagonisten und gewann außergewöhnliche Bilder. Er besetzt ebenfalls einen Platz in der Jury des Friedensfilmpreises.
 
Für seinen Film „Newcomers“ interviewte der Osnabrücker Regisseur Ma’an Mouslli 29 Menschen. Als Kulisse wählte er einen schlichten schwarzen Hintergrund und konzentriert sich ganz auf ihre Geschichten. Alle sind Geflüchtete, die über Umwege nach Deutschland kamen – manche schon vor Jahrzehnten, andere erst vor ein paar Monaten. Wenn sie aus ihrem Leben berichten, wechseln sich die Gefühlslagen ab. Da ist die gescheiterte Liebe, die naive Jugendsünde, die besondere, persönliche Leidenschaft. Dann wieder begegnet einem das Andere, manchmal Unbegreifliche, das nach Solidarität schreit. Mouslli und sein Team legen Wert darauf, die Menschen, über die oft allzu pauschal in den Talkshows und politischen Runden debattiert wird, als Individuen zu zeigen. Die Zuschauer lernen 29 Personen mit einzigartigen Erfahrungen und nicht austauschbaren Biografien kennen. Auf dem Unabhängigen FilmFest Osnabrück steht Mouslli der studentischen Kurzfilmjury als Experte zur Seite.
 
Familie Shibata lebt im japanischen Tokio. Um über die Runden zu kommen, begehen sie Diebstähle. Auch die Kinder werden in das kriminelle Familiengeschäft eingebunden. Auf dem Rückweg vom eben beklauten Supermarkt entdecken Osamu und sein Sohn Shota eine von den Eltern ausgesperrte, mit blauen Flecken und Narben übersäte Fünfjährige. Ohne zu zögern nehmen die Schwerenöter das Mädchen bei sich auf und nennt sie fortan Yuri. Doch im neuen Umfeld der Kleinen ist längst nicht alles, wie es scheint. Der sorgsam inszenierte Schwindel droht aufzufliegen, nachdem Yuri als vermisst gemeldet und sogar über das Fernsehen gesucht wird. Regisseur Hirokazu Kore-Eda nennt als Absicht, mit seinem Film „Shoplifters“ den Blick der Gesellschaft auf Kleinkriminelle schärfen zu wollen. In Japan schaue man abschätzig auf familiale Diebesbanden und vergesse dabei mitunter die Verhältnismäßigkeit. Hirokazu Kore-Eda hält dagegen, indem er beweist, dass Familie vor allem eine Einstellung ist.
 
Das Programm des 33. Unabhängigen FilmFest Osnabrück: hier!
 
Link zur Pressemitteilung: hier!