Europäisches Kino in Osnabrück - Unabhängiges Filmfest Osnabrück
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Europäisches Kino in Osnabrück

Die neun Filme der Festivalkategorie „Focus on Europe“, an denen insgesamt sechzehn Länder beteiligt waren, erzählen vielfältige Geschichten aus Europa, von der Transformation der Arbeit, von familiären und gesellschaftlichen Spannungen, und liefern erschütternde Berichte über extreme Ausbeutung.

 

„Amateurs“ macht das Publikum mit der fiktiven schwedischen Kleinstadt Lafors bekannt. Dort hofft man auf den baldigen wirtschaftlichen Aufschwung. Lafors gehört zu den Kandidaten für die Ansiedlung einer deutschen Supermarktfiliale. Ein Imagefilm soll die Chancen verbessern. Eine Werbefirma wird beauftragt. Die Schülerinnen Aida und Dana haben ihr eigenes Bild von Lafors. Und produzieren ein alternatives Stadtporträt.

 

Der französische Spielfilm „Die Poesie der Liebe“ ist ein ungewöhnliches Gemeinschaftswerk: Nicolas Bedos und Doria Tillier, auch privat verbunden, schrieben gemeinsam das Drehbuch über eine turbulente Ehe im Literaturmilieu. Die tragikomische, mit Sticheleien gegen den französischen Kulturbetrieb gewürzte Geschichte erstreckt sich über fünf Jahrzehnte. Bedos und Tillier spielen selbst die Hauptrollen, Bedos führt zudem Regie. Eine sehr persönliche Arbeit, dabei höchst vergnüglich. Auch dem früheren französischen Kulturminister Jack Lang muss das Drehbuch gefallen haben – er spielt sich in einer Gastrolle selbst.

 

In „City of the Sun“ zeigt der Regisseur Rati Oneli in erlesenen Bildern das kulturelle Leben der zu Füßen des Kaukasus gelegenen georgischen Stadt Tschiatura vor einer apokalyptisch anmutenden Szenerie, die sich dem jahrzehntelangen Manganabbau verdankt. Reich geworden ist die Stadt dadurch nicht. Sie krankt an einer vernachlässigten Infrastruktur, die Lebensbedingungen sind hart. Dennoch, oder gerade deshalb, lassen sich die Bewohner die Freude an Gesang, Theater und Sport nicht nehmen.

 

Von ähnlich deutlichen Kontrasten lebt „Entrepreneur“ der finnischen Regisseurin Virpi Suutari. Hier sind es die Unterschiede von Tradition und Innovation, die für filmische Spannung sorgen – Jani und Satu betreiben einen Jahrmarkt und stehen hinter einer fahrbaren Fleischtheke, die Trendsetter Maija und Reetta gründeten ein Lebensmittelunternehmen, das vegetarische Fleischersatzprodukte vertreibt.

 

Der deutsche Osteuropaexperte Fabian Daub geht in „Transilvania mea – Von Gewinnern und Verlierern“ der Frage nach, welche Entwicklungen dieser mythenumwobene Winkel Europas nach der rumänischen Revolution von 1989 genommen hat. Überkommene Lebensweisen haben sich erhalten, an anderer Stelle gibt es Veränderungen, ausgelöst auch durch die Ankunft ausländischer Investoren.

 

Andrea Paco Mariani lenkt in „The Harvest“ die Aufmerksamkeit auf eine indische Gemeinde in Italien, deren Mitglieder als Arbeitsmigranten nach Europa gekommen sind. Gurwinder leistet auf einer Farm in der Nähe von Rom schwere Arbeit, um Geld nach Indien schicken zu können. Semidokumentarische Szenen fangen die Lebensbedingungen der Exilanten ein. Ergänzt werden sie durch tänzerische Darbietungen. So ergibt sich eine neue Spielart des dokumentarischen Kinos: das Doku-Musical.

 

Die ungarische Regisseurin Bernadett Tuza-Ritter stieß auf ein erschütterndes Schicksal, das sie zu einer nicht nur filmischen Intervention veranlasste: Die 52-jährige Marish ist zu einem sklavenähnlichen Dasein gezwungen. Sie arbeitet 20 Stunden am Tag, isst nur Reste, wird in Abhängigkeit gehalten. Die Filmemacherin ermuntert sie, zu ihrer Tochter zu fliehen. Tuza-Ritter hat die Vorgänge in ihrem Film „Eine gefangene Frau“, bei dem sie erstmals selbst die Kamera führte, dokumentiert.

 

„Sibel“ von Çagla Zencirci und Guillaume Giovanetti porträtiert die gleichnamige Protagonistin, die in ihrem türkischen Heimatdorf als Außenseiterin gilt. Sie ist seit ihrem fünften Lebensjahr stumm und kann sich nur durch eine spezielle Pfeifsprache verständigen. Auf ihrer Suche nach Anerkennung trifft sie auf den polizeilich gesuchten Deserteur Ali und beschließt ihn zu decken – der Beginn einer Rebellion gegen Traditionen und überkommene Rollenmuster.

 

Im isländischen Film „Under the Tree“ von Hafsteinn Gunnar Sigurðsson sorgt ein Baum für Proble-me in der Nachbarschaft – oder eher dessen Schatten, der die Nachbarin beim Sonnenbaden stört. Der Zwist beginnt als verbale Auseinandersetzung und nimmt immer groteskere Formen an. Eine tiefschwarze Satire über die Bewohner einer mustergültig erscheinenden Vorstadt.

 

Das Programm des 33. Unabhängigen FilmFest Osnabrück: hier!

Link zur Pressemitteilung: hier!