
Premieren und Kurzfilmprogramme
Im Oktober feiern wir nicht nur die Begegnung mit besonderen Filmen und Gästen, sondern auch einige Erste Male: Mit insgesamt zwei Weltpremieren, einer internationalen Premiere, einer Europapremiere und ganzen zwölf Deutschlandpremieren gibt es einiges zu feiern.
Außerdem stellen wir euch unsere Kurzfilmprogramme vor. An vier Abenden in der Lagerhalle erzählen die Filme von persönlichen Entscheidungen und gesellschaftlichen Konflikten, von Heimat und Widerstand, von Verlust, Identität und der Suche nach neuen Wegen.
Premiere im Langfilmprogramm
Aus dem Langfilmprogramm feiert „Apolo“ (Regie: Tainá Müller, Ísis Broken) beim diesjährigen Filmfest Osnabrück im Haus der Jugend seine Deutschlandpremiere. Das intime Selbstportrait thematisiert die Schwangerschaft eines trans Paares, das für eine bessere medizinische Versorgung von Aracaju nach São Paolo reist. Der Film zeigt, wie uns Elternschaft formt und fragt, wie sich scheinbar zementierte Lebensweisen neugestalten lassen.

„Apolo“, Regie Tainá Müller, Ísis Broken, 2025, © Utopia Docs
Auf dem Prüfstand

„Das Gespenst des Deutschen Theaters“, Regie Clara Leo, 2025, © Lorenza Doherty, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
Sechs Kurzfilme erzählen im Kurzfilmprogramm Auf dem Prüfstand am Dienstagabend von Menschen, die an einem Wendepunkt stehen. Zwischen Familie, Freundschaften, Arbeit und den eigenen Bedürfnissen müssen sie Entscheidungen treffen und sich fragen, was sie bereit sind, aufzugeben. Der dokumentarische Kurzfilm „Das Gespenst des Deutschen Theaters“ (Regie: Clara Leo) feiert beim 41. Filmfest Osnabrück seine Weltpremiere. Thomas Koch ist Abenddienstleiter am Theater und nimmt das Publikum mit hinter die Kulissen und in seine Wohnung, die voller Erinnerungen an das Theater und seine Zeit in der Schwarzen Szene ist. Ein Porträt über einen Menschen, der seit Jahren zum Theater gehört, doch nur hinter den Kulissen agiert. Außerdem sind mit „The Golden Squacco Heron“ und „Haemo_philia“ zwei weitere Deutschlandpremieren im Programm vertreten. In „The Golden Squacco Heron“ (Regie: Edward Smyth) ist die Suche nach einem seltenen Vogel längst zur lebenslangen Beschäftigung zweier Freund*innen geworden.

„The Golden Squacco Heron“, Regie Edward Smyth, 2025, © Edward Smyth
Seit 29 Jahren versuchen sie, den goldenen Rallenreiher aufzuspüren. Weil das Ziel unerreichbar bleibt, verwandeln sie ihre Suche zunehmend in ein eigenes Spiel. In „Haemo_philia“ (Regie: Kiarash Salehi) arbeitet in einer menschenleeren Metzgerei ein Mann mit Handprothese akribisch an der Reinigung, obwohl längst alles makellos erscheint. Fleisch ist keines mehr vorhanden. Als eine Frau mit blutverschmierten Händen den Laden betritt, gerät die merkwürdige Szenerie endgültig aus dem Gleichgewicht.

„Haemo_philia“, Regie Kiarash Salehi, 2025, © Simorgh Film Distribution
Horror und Entzücken

„Here and There“, Regie Amanda Woolrich, 2026, © Production Ocho
Mit einem Donner eröffnet das Programm Horror und Entzücken in den Mittwochabend und führt mitten hinein in fünf Welten des Unbehagens. Abgelegene Häuser, alten Geheimnisse, surreale Welten und eine düstere Traumlogik lassen Vertrautes plötzlich fremd erscheinen. „Here and There“ (Regie: Amanda Woolrich) feiert beim 41. Filmfest Osnabrück seine Deutschlandpremiere. Die aufwendig gestaltete Animation erzählt von Trauer und der Verbindung zwischen Lebenden und Toten. Ein Skelett und ein maskiertes Mädchen begegnen sich in zwei parallelen Welten, zwischen denen die Grenzen zunehmend verschwimmen. Auch „Cul-de-sac !“ (Regie: Clyde Gates, Gabriel Sanson) feiert seine Deutschlandpremiere. Hinter der alltäglichen Stromversorgung verbirgt sich eine ungewöhnliche Arbeitswelt: Engel sorgen dafür, dass elektrische Geräte funktionieren und die Menschen es warm und hell haben. Doch ihr Dasein auf der Erde ist unfreiwillig. Als sie sich gegen ihre Situation auflehnen, kommt es zu einem großflächigen Stromausfall.

„Cul-de-sac !“, Regie Clyde Gates, Gabriel Sanson, 2025, © Gargantua
Hier, dort, dabei

„Your City“, Regie Ting Su, 2026, © Kino Rebelde
Was bedeutet Heimat, wenn man zurückkehrt, wenn man bleibt oder wenn man sie verliert? Die Filme des Kurzfilmprogrammes Hier, dort, dabei am Donnerstagabend erzählen von Menschen, die mit Krieg, Diskriminierung, gesellschaftlichen Konflikten und persönlichen Veränderungen umgehen müssen. Sie zeigen aber auch, wie aus Verbundenheit, Wut und Ausdauer Widerstand entstehen kann. Das Programm umfasst fünf Kurzfilme, darunter sind zwei Deutschlandpremieren vertreten. In „Your City“ (Regie: Ting Su) unterhalten sich zwei queere Freundinnen zwischen Shenzhen und New York flüsternd am Telefon, während ein Taifun auf die Ostküste Chinas zusteuert. Analoge Filmaufnahmen und Wärmebilder verbinden persönliche Erinnerung mit der Atmosphäre einer heraufziehenden Katastrophe. In „Auch du, Genosse“ (Regie: Giorgio Dinello) engagiert Batu sich als Migrant der zweiten Generation in einer kommunistischen Organisation. Zwischen politischem Aktivismus, Demonstrationen und hitzige Diskussionen versucht er zugleich, die Verbindung zu seiner Mutter in der Ferne aufrechtzuerhalten.

„Auch du, Genosse“, Regie Giorgio Dinello, 2025, © Theodor Kossakowski, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
In die Tiefe

„Last Tropics“, Regie Thanasis Trouboukis, 2025, © Lights On
Die vier Kurzfilme des Programms In die Tiefe am Freitagabend führen zu Erfahrungen, die sich nicht leicht in Worte fassen lassen. Sie erzählen von Trauma, Verlust und Identität, aber auch von Nähe, Versöhnung und der Möglichkeit, nach schmerzhaften Erfahrungen wieder zueinanderzufinden. Zwei der Filme feiern dieses Jahr in Osnabrück ihre Deutschlandpremiere. In dem auf 16mm gedrehten Drama „Last Tropics“ (Regie: Thanasis Trouboukis) wollen drei junge Fischer*innen dem Alltag ihres abgelegenen Dorfes entkommen und endlich einen lohnenden Fang machen. Dafür greifen sie zu einer verbotenen Methode: Sie fischen mit Dynamit. Was als gemeinsamer Versuch beginnt, die eigene lage zu verbessern, setzt eine Entwicklung in Gang, die die Freundschaft der drei auf die Probe stellt. In „The Wind in Ash“ (Regie: Kun Sun) kehrt eine junge Person zur Beerdigung des Vaters in ihr Heimtdorf zurück. Schnell wird ihre Identität zum Konfliktthema. Voreingenommenheit und Gerüchte bestimmen die Rückkehr, doch eine unerwartet versöhnliche Geste schafft eine neue Verbindung zur entfremdeten Mutter.

„The Wind in Ash“, Regie Kun Sun, 2025, © Lights On
UFOlinos Premieren

„Wenn sich Dinge verändern“, Regie Laura Gutiérrez Ardila, 2026, © FilmsToFestivals
Auch bei den UFOlinos können wir dieses Jahr mehrere Premieren feiern, darunter eine Weltpremiere („Wenn sich Dinge verändern“, Regie: Laura Gutiérrez Ardila), eine internationale Premiere („Lächle mal“, Regie: Dai Wei) und zwei Deutschlandpremieren („Sommerlieferung“, Regie: Lam Can-zhao), („U-Boot“, Regie: Evgeny Fadeev).
Das komplette Programm finden Sie hier.
