Das Festivalprogramm 2026

Wir lauschen Al Cooks Melodien, hoffen mit Soraya auf Sicherheit, spüren mit Maia in die Weiten Sápmis, begleiten Ísis und Lourenzo bei ihrer Schwangerschaft und lassen uns von Sun Ra in die Welt der Jazzmusik entführen. Mit 26 Langfilmen und über 35 Kurzfilmen geben wir euch hier einen ersten Einblick in die Filme unserer Sektionen.

 

Eröffnung mit Tizza Covi

Gemeinsam mit Regisseurin Tizza Covi feiert das Filmfest am Dienstag, den 6. Oktober um 19:30 Uhr in der Lagerhalle Eröffnung. Das Regieduo Tizza Covi und Rainer Frimmel gehört zu den interessantesten und sinnlichsten der jüngeren österreichischen Filmgeschichte. Sozialrealistisch und poetisch zugleich, faszinieren sie nicht zuletzt durch ihre feinfühlige Zuneigung zu ihren Protagonist*innen. Mit dem Spielfilm „Wiener Blues – The Loneliest Man in Town” präsentiert Covi die Reise von Musiker Al Cook. Kommerzialisierung, Verlust seiner Wohnung, Einsamkeit  Cook trotzt diesen Veränderungen und zeigt, dass es niemals zu spät ist für einen Neuanfang.

 

 

Einblick in die Sektionen

Wettbewerb um den Friedensfilmpreis Osnabrück

 

„The Last Prometheus of Donbas“, Regie Anton Shtuka, 2025, © Contemporary Ukrainian Cinema

Insgesamt sieben Dokumentarfilme treten im Wettbewerb um den Friedensfilmpreis Osnabrück 2026 an. Sie erzählen vom Mut, Mensch zu sein: davon, wie man Hoffnung bewahrt, wenn ringsum das Chaos herrscht, und wie das Zuhören weiter trägt als der Streit.

Auf den Straßen Europas sagen Fahrer aus Usbekistan und Georgien, ohne Lohn und ohne Aussicht, zum ersten Mal entschlossenes „Nein“ zu einem ausbeuterischen System. Felix Länge dokumentiert in „Driving Europe“ den Zusammenhalt osteuropäischer Lkw-Fahrer. Während nahe der Front im Donbas Arbeiter*innen ein Wärmekraftwerk unter Beschuss am Laufen halten – bis zur Evakuierung. Ein Film über Arbeit und Verantwortung im Ausnahmezustand („The Last Prometheus of Donbas“). Als Kontrast erklingt das Bekenntnis einer jungen Künstlerin, die ein visuelles Tagebuch führt und zwischen dem Leben im Iran und einem quälenden Verlangen nach Freiheit balanciert. Über fünf Jahre dokumentiert Soraya mit dem Handy ihren Alltag und ihre Fluchtversuche im Iran („A Fox Under a Pink Moon“).

 


Focus on European Cinema

„Árru“, Regie Elle Sofe Sara, 2026, © Dánil Røkke, The Yellow Affair

Focus on European Cinema entfaltet eine Landkarte europäischer Gefühle. Die vier Spielfilme zeigen Frauen, deren Alltag nicht verschiedener sein könnte. Was sie verbindet ist der Wunsch nach Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstwirksamkeit. Maia und ihre Tocher Áilin kämpfen in den Weiten Sápmis gleichzeitig gegen ein Bauprojekt, das die indigene Bevölkerung verdrängt, und gegen das Schweigen ihrer Familie („Árru“). In Slowenien suchen drei junge Frauen ihren Weg, während der Druck der patriarchalen Strukturen wächst und die Sehnsucht nach Freiheit immer größer wird. Die Begegnung mit der Transfrau „Fantasy“ gibt den Blick frei für neue Möglichkeiten. Im Lärm der Baustelle, gerät in Vilnius das geordnete Leben der Protagonistin ins Wanken („Renovation“) und in Brüssel von 1985 stürzen buchstäblich Mauern eines Fußballstadions ein. In „Heysel 85“ wird die Katastrophe des Heysel-Stadions neu erzählt.

 

„Fantasy“, Regie: Kukla, 2025, © Salzgeber

 

 

Vistas Latinas

 

„Isabel“, Regie Gabe Klinger, 2026, © Urban Sales

Vistas Latinas lädt zu neuen Bekanntschaften und Reisen durch Lateinamerika ein. In drei Spielfilmen und einem Dokumentarfilm bezwingen die Protagonist*innen eigene und gesellschaftliche Widerstände: In São Paulo sucht „Isabel“ ihr Glück darin eine eigene Weinbar aufzubauen. „Hiedra“ zeigt einen rauen Alltag in Ecuador zwischen tiefer Verbundenheit und einem Erwachsen werden bei ungewisser Zukunft.

 

¿Quién mató a Narciso?“, Regie Marcelo Martinessi, 2026, © Pandora Film Production

 

Und ein junger Mann bringt 1959 trotz Widerständen den Rock ’n’ Roll nach Paraguay („¿Quién mató a Narciso?“). Während der Dokumentarfilm „Apolo“ ein transgeschlechtliches Paar auf seiner langen Suche nach
einem sicheren Ort für seine Schwangerschaft begleitet.

 

Apolo“, Regie Tainá Müller, Ísis Broken, 2025, © Utopia Docs

 

 

Arts in Cinema

The Magic City – Birmingham According to Sun Ra“, Regie Guillaume Maupin, Pablo Guarise, 2025, © CBA

 

Die Sektion Arts in Cinema rückt die Kunst und ihre Schöpfer*innen ins Zentrum – ein Fest für Augen, Geist und Ohren, in dem die Kunst zur Hauptfigur wird. In Kaduna, Nigeria, dreht ein junges Kollektiv eigene Science-Fiction-Filme („Crocodile“) und ein dokumentarisches Porträt zeigt Regisseurin und Pionierin des Queere Cinema Barbara Hammer, die ihre eigene Repräsentation erschafft („Barbara Forever“). Ganz der Jazzmusik verschrieben verbindet ein verspieltes Porträt Birmingham, Alabama, und den Künstler Sun Ra („The Magic City – Birmingham According to Sun Ra“). Während im Südafrika der Apartheid die Jazzmusik für einen jungen Mann Freiheit verspricht („Laundry“).

 

Laundry“, Regie Zamo Mkhwanazi, 2025, © Summerside Media

 

Kurzfilmprogramme

20 internationale Kurzfilme für Erwachsene in vier Kurzfilmprogrammen an vier Abenden in der Lagerhalle: „Auf dem Prüfstand“ erzählt die Geschichten verschiedener Personen, deren Leben durcheinandergewirbelt werden und die vor Veränderungen stehen. Düster wird es in „Horror und Entzücken“, wenn Paranoia und Wahnsinn das Fundament der Vernunft immer mehr bröckeln lassen. Die teilweise dokumentarischen Kurzfilme in „Hier, Dort, Dabei“ zeigen in kräftigen Bildern Ausschnitte unserer Gegenwart. Das Programm „In die Tiefe“ bringt poetische und gleichzeitig intensive Geschichten auf die Kinoleinwand.